Der heilige Märtyrer Sebastian von Rom

 

18. Dezember

 

 

 

Nach dem Zeugnis des heiligen Ambrosius wurde der heilige Sebastian in Narbo Marcius (Narbonne) am Fluß Atax, der Hauptstadt der gleichnamigen römischen Provinz, geboren. Seine Familie stammte aber aus Mailand, wo er auch erzogen wurde. Der heilige Sebastian war von Jugend auf Christ und diente als junger Mann im römischen Heer. Im Jahre 284 wurde er zur Zeit, als der heilige Märtyrer Gajus Bischof von Rom war, Hauptmann der Prätorianergarde am kaiserlichen Hof Diokletians. Er verheimlichte am Hof seinen christlichen Glauben, aber seine Stellung erlaubte ihm, seinen christlichen Glaubensgenossen in den Gefängnissen Roms beizustehen - so der heiligen Märtyrern Marcus, Marcellianus, Tiburtius, Claudius, Castorius, Nicostratus und Symphorianus. Er sprach ihnen Mut zu, konnte auch immer weitere Römer bekehren, wirkte Wunder, bekehrte auch römische Adlige und sorgte für die Bestattung der heiligen Märtyrer. Als der Kaiser Diokletian vom christlichen Glauben des heiligen Sebastian erfuhr, ließ er ihn von numidischen Bogenschützen erschießen. Sebastian wurde für tot gehalten und am Hinrichtungsort liegen gelassen; aber er war von den Pfeilen nicht getötet worden. Die Witwe des Märtyrers Castulus namens Irene nahm sich seiner an und pflegte seine Wunden. Als er sich wieder erholt hatte, trat er dem erstaunten Kaiser öffentlich entgegen, um ihm die grausame Sinnlosigkeit seiner Verfolgungen vorzuhalten. Diokletian ließ ihn daraufhin im Hippodrom des Palastes Domus Augustana auf dem Palatin in Rom zu Tode peitschen und die Leiche in die cloaca maxima, den größter Abwasserkanal, der vom Palatin zum Tiber führte, werfen. Der heilige Sebastian erschien darauf hin der Christin Lucina im Traum und wies ihr den Ort, wo sie seinem Leichnam auffand. Sie holte dem Leichnam aus dem Abwasserkanal und bestattete ihn auf dem Friedhof an der Via Appia. Die Säule, an welcher der Heilige auf der kaiserlichen Rennbann sein Leben für Cheistus gab, befindet sich heute bei der römischen Kirche Sankt Peter ad vincula. Das Martyrium von Sebastian in Rom wurde erstmals 354 bezeugt, als Ort der Bestattung das Coemeterium ad Catacumbas an der Via Appia genannt - heute die Katakomben des Sebastian -, wo eine Zeit lang auch die heiligen Apostelfürsten Petrus und Paulus verehrt wurden. Im 4. Jahrhundert wurde bei diesem Friedhof die Apostelkirche errichtet. Sie gehört zu den sieben frühchristlichen Pilgerkirchen Roms. Anfang des 5. Jahrhunderts wurde das Grab so umgebaut, dass die vielen Pilger besseren Zugang bekamen. Im 9. Jahrhundert wurde die Apostelkirche in San Sebastiano fuori le mura oder auch ad Catacumbas umbenannt.

Die ursprünglichen Acten dieses in der ganzen Welt hoch verehrten römischen Martyrers sind verloren gegangen. Die heute vorhandene Vita des heiligen Märtyrers Sebastians stammt aus dem 4. Jahrhundert. Sie wird dem heiligen Ambrosius von Mailand zugeschrieben. Seine Verehrung ist seit der Mitte des 5. Jahrhunderts gut bezeugt. So ist seine Ikone auf Mosaiken in Ravenna aus dem 6. Jahrhundert zu finden. Eine Pestepidemie in Pavia im Jahr 680 erlosch, nachdem man seine heiligen Reliquien hierher brachte und durch die Straßen trug. Der heilige Märtyrer Sebastian wird deshalb außer als Schutzpatron der Soldaten auch als Helfer gegen die Pest und pestartige Erkankungen verehrt. Die Pestepedemien in Rom in Jahre 680, In Mailand im Jahre 1575 und in Lissabon im Jahre 1599 fanden auf seine Fürbitte hin ein plötzliches Ende. Heute, wo weltweit – vor allem in Afrika und Osteuropa - viele Menschen an Aids erkranken, wird er auf als Fürbitter bei dieser bisher unheilbaren Krankheit angerufen. Im Jahre 826 wurden einige seiner Reliquien nach Staint Médard in Soissons - dem traditionellen Sitz der französischen Könige - gebracht. Der römische Bischof Leo IV. ließ später einige seiner Reliquien in die Kirche der SS. Quattro Coronati bringen. Ein weiteres Reliquiar ist heute in der vatikanischen Bibliothek zu finden. Weitere Reliquien finden sich auch in Haguenau im Elsass, in Ebersberg in Bayern sowie an anderen Orten Italiens und Europas. In Ebersberg wird ein Teil seines kostbaren Hauptes aufbewahrt. Der Ort ist durch viele, auf seine Fürbitte geschehene, Wunder verherrlicht. Eine Hand des Heiligen kam später nach Brüssel. Im Jahre 1464 erhielt Bebenhausen in Württemberg von Papst Pius II. einen als Sebastians- Pfeil verehrt Pfeil, der heute in der Sankt Martinskirche in Hirlingen bei Tübingen aufbewahrt wird. (Im Mittelalter trug man den Sebastianspfeil als Schutzreliquie gegen die Pest - die anfliegende Krankheit - bei Bittprozessionen mit). Daß der heilige Sebastian zur Zeit seines Todes kein junger Mann mehr war, dürfte aus seiner Vita hervorgehen. Eine alte Mosaik- Ikone in der Kirche Stankt Peter ad vincula stellt ihn deshalb mit langem weißen Barte dar. Erst seit der Renaissance, wo das erste Martyrium des heiligen Sebastian zu einem beliebten Thema der Malerei wurde, wird der heilige Sebastian als Jüngling dargestellt. Bei den Katholiken wird sein Fest am 20. Januar, bei den Orthodoxen am 18. Dezember gefeiert.

 

Quelle: Zusammengestellt von Thomas Zmija- Horjanyj.