Der heilige Apostel Thomas

 

Gedenktag 06. Oktober

 

Vortrag von Diakon Thomas Zmija v. Gojan

 

Der heilige Thomas war ein Jude in Galiläa, der in einer armen Familie geboren wurde und den Beruf des Fischers ausübte. Didymus oder Zwilling (griechisch: Didymus) wird der heilige Apostel Thomas im Evangelium deshalb genannt, weil er gemäß der kirchlichen Überlieferung eine Zwillingsschwester hatte.

 

Im Jahr 31 hatte er die Gnade, vom göttlichen Heiland zum Aposteldienst berufen zu werden. Er besaß nur wenig weltliche Bildung, ersetzte diese aber durch seine Gutherzigkeit und heilige Einfalt und durch seinen beherzten Eifer.

 

Als Jesus einige Zeit vor seinem Tode nach Judäa gehen und den verstorbenen Lazarus zum Leben erwecken wollte, versuchten seine Jünger ihn davon abzuhalten und sprachen:

 

„Meister, soeben versuchten die Juden, dich zu steinigen und trotzdem willst du dort wieder hingehen?“ Der HERR antwortete: „Doch - lasset uns hinziehen!“ Da sprach der heilige Apostel Thomas: „Lasset uns mit IHM gehen, auf dass wir mit IHM sterben.“

 

So zeigte sich schon damals seine große Liebe zum göttlichen Erlöser noch ehe der Heilige Geist über die heiligen Apostel herab gekommen war.

 

Beim Heiligen Abendmahl kündigte Christus Seinen Aposteln an, ER werde sie bald verlassen. Um sie aber zu trösten, fügte ER hinzu, dass ER hingehe, um im Hause Seines Vaters ihnen eine Wohnung zu bereiten.

 

Der heilige Thomas, der IHM gerne hätte folgen mögen, entgegnete IHM: „Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst, wie können wir den Weg wissen?” Unser HERR Jesus Christus aber gab ihm die trostvolle Antwort: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als durch mich.44 Der heilige Apostel Thomas gab sich mit dieser Antwort zufrieden und hielt treu beim HERRN aus bis zu dem Augenblick, wo Jesus auf dem Ölberg gefangen genommen wurde und er IHN auch mit den übrigen Aposteln verließ.

 

Doch seine Liebe erlosch deshalb nicht. In die tiefste Trauer versank er über den Tod seines Meisters, von der er sich am langsamsten unter den heiligen Aposteln erholen sollte:

 

Denn als der Heiland von den Toten auferstanden war, erschien er auch seinen heiligen 12 Aposteln und den übrigen 70 Jüngern. Der heilige Thomas war aber damals nicht zugegen. Als ihm nachher die übrigen Apostel, welche den Herrn gesehen hatten, davon erzählten, wollte er es nicht sofort glauben, sondern sprach: „Wenn ich nicht an Seinen Händen das Male der Nägel sehe und meinen Finger in den Ort der Nägel und meine Hand in Seine Seite legen kann, so glaube ich es nicht.44

 

Acht Tage darauf erschien der auferstandene HERR wieder den heiligen Aposteln. Auch der heilige Thomas war dabei zugegen. Mit himmlischer Milde sprach er zu Thomas, von dessen Zweifel ER wusste: „Lege deinen Finger hier herein und siehe meine Hände, und reiche her deine Hand und lege sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig.44 Da wurde der heilige Apostel Thomas, im Innersten ergriffen von so viel Güte und Liebe und er konnte keine anderen Worte hervor bringen, als: „Mein Herr und mein Gott!44 ja, um zu glauben, den zu sehen, den er kannte, aber für uns war es notwendig, dass er den, welchen er sah, auch berührte, damit, wenn wir etwa sagen möchten, seine Augen haben ihn getäuscht, wir nicht sagen können, seine Hände hätten ihn betrogen. Das Sehen des Auferstandenen kann man bezweifeln, nicht so aber das berühren des Selben.“

 

Der heilige Apostel Thomas zweifelte von nun an keinen Augenblick mehr. Sein großes Ziel war es nun, dem göttlichen Heiland recht viele Menschen zu verkünden, sie zu taufen, zu Christen zu formen und in Gemeinden zu sammeln.

 

Als die heiligen Apostel in die ganze Welt zogen, um das Heilige Evangelium dort zu verkünden, begab sich der heilige Apostel Thomas zu den Parthern ins persische Sassanidenreich. Vor allem in nördlichen Irak bekehrte der heilige Apostel viele Menschen zum Glauben an Christus. Von hier aus wurde er auch wie die übrigen Apostel von den heiligen Engeln durch die Lüfte nach Jerusalem getragen, um beim Heimgang der Allheiligen Gottesgebärerin zu ihrem göttlichen Sohn anwesend zu sein. Doch der heilige Apostel Thomas kam zu spät in Jerusalem an. Das Grab der Allheiligen war bereits verschlossen worden. Als die übrigen Apostel es noch einmal auf die Bitten des heiligen Thomas öffneten, fanden sie im Sarkophag der Gottesmutter nur wohlriechende Blumen, denn die Allheilige war bereits von den heiligen Engeln mit Seele und Leib in die Arme ihres Göttlichen Sohnes getragen worden. Doch die Allheilige erschein den heiligen Apostel Thomas nochmals und übergab ihm ihren Gürtel, der heute im Vatopedi-Kloster auf dem heiligen Berg Athos aufbewahrt wird.

 

Im Anschluss kehrte auch Thomas zum Aposteldienst über Armenien nach Mesopotamien zurück und bekehrte in der

 

Er gab gerade den Christen in der heutigen Zeit, in der so viele unserer Mitmenschen im Materialismus befangen sind, ein schöne Zeugnis: Zum in jedem Einzelfall richtigen Zeitpunkt wird unser Herr und Erlöser Jesus Christus sich als der zu erkennen geben, der ER in Wahrheit ist. Der lebendige und Auferstandene Herr und Erlöser, der Eingeborene Sohn des Lebendigen Gottes. Diese Glaubenserkenntnis fasste der heilige Apostel Thomas in die Worte: „Mein Herr und mein Gott!“ Und unser Herr und Erlöser Jesus Christus antwortete ihm: „Weil du mich gesehen hast, Thomas, hast du geglaubt; selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“

 

In dem Benehmen des heiligen Apostels und in der Antwort Christi, die ER ihm gab, liegt ein großer geistlicher Trost für uns: Sein Unglaube bekräftigt wunderbar unseren Glauben an die Heilige Auferstehung Jesu Christi (so sagen uns die heiligen Väter)

 

Daß der heilige Apostel Thomas nicht glaubte und Jesus Seine Wunden von ihm berühren ließ, geschah - sagt uns der heilige Gregor der Theologe - nicht aus Zufall, sondern aus göttlicher Fügung. Der zweifelnde Jünger berührte die Wunden am Leibe Seines Meisters und heilte dadurch die Wunden unseres Unglaubens. Der Unglaube des heiligen Apostels Thomas hat unserem Glauben dadurch genützt, dass er nach dem Zeugnis im Evangelium des heiligen Apostels und Evangelisten Johannes durch seine Berührung zum verlässlichen Zeugen (Zitat Johannesevangelium) für unseren Glauben wurde.

 

So sagt der der selige Augustinus von Hippo: „Thomas, der heilig, treu und gerecht war, hat dies alles so sorgfältig verlangt, nicht weil er zweifelte, sondern um jeden Verdacht des Unglaubens auszuschließen. Es genügte ihm

 

Folge noch viele Menschen bei den Völkern des Morgenlandes. Schließlich aber erschien ihm unser Herr und Erlöser Jesus Christus im Traum und sandte ihn weiter gen Osten in das Land der Inder.

 

So erzählen uns die apokryphen Thomas-Akten erzählen folgende zwei Fassungen über den Aufenthalt und das Martyrium des heiligen Apostels Thomas in Indien:

 

Beiden Fassungen ist gemeinsam, dass unser Herr und Erlöser Jesus Christus dem heiligen Apostel erschien und ihn dabei aufforderte, dem Boten des indischen Königs Gundisar zu folgen, Dieser indische Kleinkönig suchte einen Baumeister, um sich einen Palast nach römischer Bauweise errichten zu lassen.

 

Bei Gundisar angelangt, zeichnete der heilige Thomas diesem einen Bauplan für einen Palast und erhielt große Schätze für die Ausführung des Baus. Aber der heilige Apostel verteilte die Reichtümer während der Abwesenheit des Königs an die Armen, predigte und bekehrte Zahlreiche Heiden zum Glauben. Dem zurückgekehrten, empörten König, der den heiligen Apostel Thomas in den Kerker werfen ließ, erschien jedoch sein bereits verstorbener Bruder; der ihm erklärte, dass der heilige Thoma für ihn im Jenseits den prächtigsten Palast errichtet habe, worauf König Gundisar sich bekehrte und den heiligen Apostel Thomas in fernere indische Gebiete ziehen ließ.

 

Dort ließen sich viele Menschen vom heiligen Thomas bekehren. Aber der dortige König aber ließ ihn gefangen nehmen, vielfältig foltern und wollte ihn so zum Opfer vor den hinduistischen Götzen zwingen. Der heilige Apostel Thomas aber drohte den in den Götterbildern verborgenen Dämonen, so dass die bronzenen Bildwerke wie Wachs zerschmolzen.

 

Der vor Wut außer sich geratene oberste hinduistische Brahmanenpriester durchbohrte daraufhin den heiligen Apostel Thomas mit seinem Schwert, doch der König ließ ihn ehrenvoll begraben.

 

Nach einer anderen Fassung seiner Vita in den Thomas-Akten durchzog der heilige Apostel Thomas noch weitere Länder bis er in Madras von feindlich Gesinnten mit Lanzen durchstochen wurde.

 

Auf den heiligen Johannes Chrysostomus geht die Überlieferung zurück, dass der heilige Apostel Thomas auf seinen Missionsreisen die Heiligen Drei Könige getroffen, getauft und zu Bischöfen ernannt hat.

 

Als Ort seines Martyriums geben viele Überlieferungen Kalamina - wohl das heutige Mailapur oder Meliapur bei Chennai (früher Madras) in Indien an. Dort müsste der Apostel um das Jahre 72 das Martyrium erlitten haben und dort auch begraben worden sein.

 

Nach seinem Martyrium wurden die heiligen Reliquien des Apostels zunächst in der Stadt Meliapor beigesetzt, die wegen des Apostelgrabes in Indien die „Stadt des heiligen Thomas“ heißt. Nahe bei der Stadt erhebt sich ein Hügel, der der „kleine Berg“ genannt wird, in welcher sich eine Höhle befindet in der der heilige Apostel vor seinem Martyrium gebetet hatte. Am Eingang der Höhle ist ein Kreuz in den Felsen gehauen und am Fuß des Kreuzes sprudelt eine Quelle wundertätigen Wassers, welches für Kranke so heilsam ist, dass diejenigen, welche davon trinken, meistens genesen. Von dem kleinen Berg gelangt man auf einen größeren, wo sich das Martyrium des heiligen Apostels durch den Lanzenstich von der Hand eines der Brahmanen ereignet hat.

 

Als die Portugiesen im 16. Jahrhundert auch die südindische Stadt Meliapor eroberten, fanden sie auf dem Gipfel des Berges eine zerfallene, steinerne Kapelle. Dort wollten sie das Andenken an den heiligen Apostel wieder herstellen, denn zu dieser Zeit gab es große Christengemeinden in Indien, die sich nach ihrem Apostel „Thomas-Christen“ nannten vor allem an der Küster Keralas die Malabar genannt wird. Als die Portugiesen bis zu den Grundmauern hinunter gruben, fanden sie dort eine weiße Marmorplatte, auf welcher sich ein Kreuz befand.

 

Um das eingravierte Kreuz herum konnte man in eingegrabenen syrischen Schriftzügen lesen, dass Jesus, geboren aus Maria, der Jungfrau, von Ewigkeit her Gott sei und zwölf Apostel sein Gesetz verkündet haben; dass einer dieser Männer, mit einem Pilgerstab in der Hand, nach Maliapor gekommen sei, und eine Kirche dort selbst erbaut habe. Auch enthielt die Inschrift seinen Namen „Thomas“ und bezeichnete ihn als einen heiligen Mann und frommen Büßer, der durch die Kraft seiner apostolischen Worte die Könige von Koromandel, von Pandi und von Malabar und mehrere Völker Indiens dem heiligen Gesetz Christi( = dem Evangelium), das er verkündete, unterworfen habe.

 

Sowohl in selbst Indien als auch im ganzen Nahen Osten gibt es viele Hinweise auf einen regen Austausch zwischen den Perserreich und Indien. Auch kamen nach der Überlieferung der mikroskopisch kleinen jüdischen Gemeinde in Indien deren Vorfahren bereits ab dem Jahr 1000 vor Christus an die Westküste des Subkontinentes. In den Dekreten des persischen Großkönigs Xerxes ist ausdrücklich davon die Rede, dass es Juden in allen Teilen seines Reiches gab, dass sich damals bis nach Indien erstreckte. Jüdische Gemeinden prosperierten damals in vielen Orten entlang der Malabarküste. Der heilige

 

Apostel Thomas konnte sich dort schnell heimisch fühlen und - ähnlich wie der Apostel Paulus bei seinen Missionsreisen - die Gemeinden des alttestamentlichen Gottesvolk zum Ort seiner Evangeliums-Predigt machen.

 

Aus der Überlieferung der Thomaschristen wissen wir heute, dass es mehrere christliche Bischöfe und Glaubensboten mit dem Namen Thomas gegeben hat, die zu verschiedenen Zeitpunkten in den ersten vier Jahrhunderten in Indien ankamen, (zuletzt Thomas von Cana im vierten Jahrhundert).

 

Glaubt man der Überlieferung der Thomas-Christen dann hat der heilige Apostel Thomas zu Beginn des ersten nachchristlichen Jahrhunderts im tamilischen Chera-Reich missioniert.

 

Da die Portugiesen die oben erwähnte Marmorplatte mit Blutflecken besprengt vorfanden, glaubten sie und die versammelten örtlichen Christen, dass der heilige Apostel Thomas auf der selben den Martertod erlitten habe. Man legte diese Platte, als der Bau der neuen Kapelle vollendet war, auf den Altar und als auf diesem Altar zum ersten Mal die Heilige Liturgie gefeiert wurde, überzog sich das Kreuz vor aller Augen mit blutigem Schweiß. Dieses ereignete sich mehrere Jahre nach einander an dem Tag, an dem man den Martertod des heiligen Thomas gefeiert wird (06. Oktober)

 

Heute befindet sich in Madras nur noch ein Oberschenkelkochen des heiligen Apostels Thomas. Der größte Teil der übrigen Thomas-Reliquien wurde an einem 03. Juli - daher der römisch-katholische Gedenktag - im 3. Jahrhundert nach Edessa - das heutige Urfa in der Türkei - übertragen. Im Jahre 1218 kamen die Apostel-Reliquien dann auf die griechische Insel Chios. Von dort wurde sein ehrwürdiges Haupt in das Johannes und Gottesmutterkloster

 

auf der Insel Patmos gebracht. Die übrigen Reliquien wurden zum Schutz vor den muslimischen Osmanen nach Ortona in den Abruzzen, wo sie bis heute aufbewahrt werden, gebracht. Der Finger aber, den der heilige Apostel in die Seite Christi gelegt hat, befindet sich heute mit Teilen des heiligen Kreuzes und anderen wichtigen Reliquien in der römischen Kirche Santa Croce in Gerusaleme.